Heute waren wir wieder beim Arzt. Seit genau vier Tagen kann unser Baby kommen ohne als Frühchen zu gelten. Ab jetzt ist es dem Würmchen jederzeit gestattet auf die Welt zu kommen. Selbst die Hebamme hat diesmal keine hängenden Mundwinkel bekommen, als sie das völlig chaotische CTG gesehen hat. Allerdings war es weniger wegen irgendwelcher Wehen so ein Auf und Ab auf dem Papier. Vielmehr war es so, dass unser Kleines ein neues Spiel für sich entdeckt hat. Und das heißt "Tritt den Wehenschreiber". Und da wir ein anscheinend sehr ehrgeiziges Kind gezeugt haben, hat es seine Aufgabe sehr gewissenhaft gemacht und nach meinem Urteil dieses Spiel ganz eindeutig gewonnen. Selber schuld, jetzt wird es wohl damit leben müssen, dass ich ihm später des Öfteren den Vermerk "rege Kindsbewegungen" aus dem Mutterpass zitieren werde.
Ansonsten war der Doktor sehr zufrieden. Alles schaut bestens aus. Das Baby liegt brav mit dem Köpfchen in Startposition und sscheint sich auch schon so langsam abwärts zu begeben. Am Muttermund hat sich aber noch nicht viel getan, sodass es eher nach einer Punktlandung aussieht, als nach einem frühzeitigen Aufeinandertreffen. Egal, ich spekuliere immer noch auf ein paar Tage vor dem errechneten Termin.
Wenn ich so an den Termin denke, der plötzlich so nah ist, dann fühle ich mich sowieso ganz komisch. Nicht dass ich Angst hätte. Es ist nur so ein Gewimmel aus Gefühlen und Gedanken. Ich freue mich riesig auf die Geburt (auch wenn wohl jede Mutter jetzt nur ein Schmunzeln für mich übrig hat, weil sie schon weiß, was auf mich zukommen wird) und darauf, meinen Wurm dann endlich in den Armen halten zu können. Wenn es danach geht, dann dürfte es lieber gestern als heute losgehen. Andererseits kann ich mir noch gar nicht vorstellen, wie es ohne den Fratz in meinem Bauch so sein wird. Ohne Kugel, ohne Tritte. Ich mag noch gar nicht daran denken. Klar kann ich mich dann endlich wieder frei bewegen, hüpfen wenn mir danach ist, mich bücken und ohne zu stöhnen die Schuhe anziehen. Ich werde mich nicht mehr vorbeugen müssen, um meine Füsse zu sehen und wenn ich zu viel esse und mein Magen voll ist werde ich nicht mehr gegen die Rippen getreten- zumindest nicht von innen. Ich kann wieder Sport machen und mich so richtig auspowern. Und danach, davor und dabei kann ich so viel Salami und Schafskäse und Tiramisú essen wie ich will. Aber ich werde auch keinen strammen runden Bauch mehr vor mir hertragen, mit dem ich jedem stolz zeigen kann, dass da mein Baby in mir wohnt. Ich werde nicht mehr 24 Stunden am Stück so intensiv mit meinem Baby zusammensein. Spüren, wenn es schläft und wann es spielt. Jeden Hickser vom Schluckauf wahrnehmen. Das Füßchen rechts aus meiner Taille rauskommen sehen und die Beulen auf meinem Bauch. Dafür kommen andere schöne Dinge auf die ich mich so sehr freue. Und trotzdem ist es seltsam zu wissen, dass ich dieses einzigartige Gefühl, wenn mein Baby sich in mir bewegt, höchstens noch ein paar Wochen spüren kann. Deswegen geniesse ich gerade jeden Tritt, egal wie unangenehm die Stelle auch war, wo er hinging. Ich sauge dieses Gefühl in mich auf, um mich noch so lange wie möglich daran erinnern zu können.
Es kommt mir gleichzeitig noch so lange und auch so kurz vor. Diese neun Monate sind im Rückblick so wahnsinnig schnell vergangen. In ein paar Wochen, spätestens 33 Tagen sind wir nicht mehr zu zweit in unserem zu Hause, sondern zu dritt. Bei allem leistet uns dann unser kleiner Wurm Gesellschaft. Das kommt mir so unwirklich vor und trotzdem freue ich mich so sehr darauf, dass mir bei dem Gedanken Tränen fliessen.
Endspurt im Bauche Sarah. Eine spannende Zeit...
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