Dienstag, 6. Januar 2009

Stille Liebe auf Zeit














Nun ist es schon Monate her, dass ich mit einem dick in Farbe getunkten Pinsel vor einer Leinwand stehe und meinen Fingern ihren Lauf lasse.
Viele Tage verstreichen, an denen ich kaum ans Malen denke. Es ist ja nicht so, dass ich nicht wüsste, was ich sonst anstellen soll. Aber es gibt auch Tage, an denen ich mich so sehnlichst in mein Atelier zurückwünsche. Dann wäre ich gerne alleine in einem Raum, mit vielen Farben, Pinseln und Leinwänden. Wenn ich male, dann ist das für mich immer ein Loslassen. Gedanken, Gefühle, alles was raus muss nimmt seinen Lauf durch meine Finger auf die Leinwand, um mich wieder leicht zu machen.
Es gibt keinen Ersatz fürs Malen. Farbe braucht keine strikten Anweisungen, keinen Druck, keine deutlichen Züge. Sie lässt mir die Wahl, ob ich dick und grob und zart und klar oder klein und groß sein möchte. Wenn ich aber einen Stift in der Hand halte, dann stellt er Bedingungen. Er möchte in einer starken Hand liegen und fest von Fingern umschlossen sein. Nur dann gibt er mir, was ich will. Eine Linie, einen Fleck. Ich möchte aber keine Kontrolle haben beim Malen. Nur mit der Farbe und dem Pinsel habe ich das Gefühl, frei zu sein. Sie geben sich mir bedingungslos hin. Und ich gebe mich ihnen hin. So etwas hat man nur selten, aber der Pinsel, die Farbe und ich, wir vertrauen uns vollkommen.
Wann auch immer ich wieder bei euch sein kann, meine Lieben, wartet dort auf mich und verliert nicht das Vertrauen in mich. Ich komme wieder und wir werden unsere Liebe nicht nur im stillen fortsetzen.

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